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Kreuzfahrtkatastrophe: Das Schiff verpasst

Ich wollte noch ein Erlebnis schildern, das ich in der Karibik auf der Oasis hatte. Direkt vorweg:  Nein, nicht ich habe das Schiff verpasst.

Es war im Hafen der Karibikinsel Sint Maarten/Saint-Martin. Die Abfahrt sollte um 17 Uhr sein. Die Abfahrtszeiten werden am Ausgang des Schiffes im Hafen immer groß angeschlagen und im Bordprogramm veröffentlicht, damit jeder weiß, wann er zurück zu sein hat. Jedenfalls fuhr das Schiff um 17 Uhr nicht ab. Ich stand auf dem Balkon und sah hinunter auf den Pier. Auf der anderen Seite lag ein weiteres Schiff, das eine spätere Abfahrtszeit hatte, denn dessen Passagiere spazierten noch gemütlich auf dem Pier zum Schiff.

Und dann ist das Schiff abgefahren...

Und dann ist das Schiff abgefahren…

Bei uns waren bis auf eine alle Gangways eingefahren. Nach ca. einer halben Stunde wurde dann die letzte Gangway eingeholt, ohne dass noch jemand an Bord gegangen ist. Die Leinen wurden gelöst und die Oasis setzte sich in Bewegung. Als wir schon ein paar Meter vom Kai entfernt waren und das Wasser schon hinter dem Schiff aufschäumte, bemerkte ich in der schlendernen Menge auf dem Pier eine Frau, die den Pier entlang rannte. Im Schlepptau zwei kleine Kinder. Sie rief und winkte hektisch dem Schiff hinterher. Entweder hat es auf der Brücke keiner mehr mitbekommen oder man wollte nicht mehr umkehren – die Oasis nahm weiter Fahrt auf und entfernte sich vom Hafen. Die Frau hatte mit ihren zwei Kindern das Schiff verpasst.

Auf vielen Kreuzfahrten wäre das gar nicht so tragisch, weil fast jeden Tag in einem Hafen angelegt wird. Man hätte dann nur zusehen müssen, wie man zum nächsten Hafen kommt. Bei einer Mittelmeertour zum Beispiel von Neapel nach Rom zu kommen ist zu schaffen. Dummerweise folgten bei dieser Reise in der Karibik nur noch zwei Seetage, bevor es wieder nach Fort Lauderdale ging. Die Frau musste also direkt von Sint Maarten/Saint-Martin in die USA zurückreisen. Ohne Gepäck, vermutlich ohne Pässe und nur mit wenig Geld (Hauptsache, sie hatte Kreditkarten dabei). Vielleicht war auch ihr Mann noch an Bord und musste nun alleine reisen. Ich hoffe, dass ihr die Agentur der Reederei vor Ort helfen konnte.

Vielleicht lag es daran, dass es einen Zeitunterschied gab und sie ihre Uhr nicht umgestellt hat. Denn auf dieser Insel war es eine Stunde später als auf der vorherigen Station Saint Thomas. Dieser Vorfall hat mich ein bisschen für die Abfahrtszeit der Schiffe sensibilisiert. Und trotzdem saß ich ein paar Monate später auf dem Flughafen von Istanbul und hatte ewig Zeit bis zum Weiterflug nach Dubai. Irgendwann blickte ich mal auf den Monitor mit den Abflügen und der Flug stand auf „Last Call“ – in Istanbul ist es eine Stunde später als in Köln und auch ich hatte vergessen, die Uhr umzustellen. Den Flieger habe ich aber noch rechtzeitig bekommen.

Aus dieser Episode eine kleine Checkliste, damit man alle Risiken minimiert das Schiff zu verpassen:

  • Die Abfahrtszeit merken/notieren. Sie steht im Bordprogramm und am Ausgang des Schiffes. Zur Not die Besatzung fragen.
  • Schiffszeit und Ortszeit und die Zeit auf der eigenen Uhr vergleichen. Bei Unterschieden klären, welche Zeit nun die gültige ist.
  • Rechtzeitig zurück zum Schiff kommen. Wer auf eigene Faust unterwegs ist, ist für alle Verspätungen selber verantwortlich. Wer einen vom Schiff organisierten Ausflug macht, kann davon ausgehen, dass das Schiff wartet.
  • Notfallnummer mitnehmen. Ebenfalls im Bordprogramm steht die Telefonnummer der Agentur vor Ort. Falls der Ernstfall eintritt, kann man hier auf Hilfe hoffen.
  • Nicht völlig mittellos vom Schiff gehen. Klar sollte man gerade in Ländern mit hoher Taschendiebstahlrate nicht alle Wertsachen dabei haben, aber vielleicht doch mehr als das Geld für einen Tag einstecken.

 

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  1. Pingback: Mit der Oasis Of The Seas durch die Karibik - einReisender

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