Kreuzfahrten, Meere, USA
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Kreuzfahrt im Indian Summer

Ende Oktober habe ich eine Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 6 gemacht. Von New York aus ging es bis Sydney (Kanada) und wieder zurück. Weitere Stationen waren Boston, Bar Harbor und Halifax.

All-inclusive auf der Mein Schiff 6

Das war meine erste Kreuzfahrt mit Mein Schiff – und bestimmt nicht die letzte. Bei Mein Schiff ist die Besonderheit, dass nicht nur alle Mahlzeiten, sondern auch alle Getränke inklusive sind. Ausnahmen sind Champagner oder irgendwelche hundertjährigen Whiskeys usw. Die Mein Schiff 6 ist erst vor kurzem in Dienst gestellt worden und ist damit auf dem allerneuesten Stand der Technik. Sie bietet Platz für 2.500 Passagiere und sie bietet wirklich viel Platz. Selbst an Seetagen ließ sich sowohl an Deck als auch in den vielen anderen Bereichen immer ein Plätzchen finden. Das lag vielleicht auch an der Jahreszeit.

Wie bei den meisten Kreuzfahrten wird der Tagesablauf von den Liegezeiten in den Häfen und den Öffnungszeiten der Restaurants bestimmt. Bei Mein Schiff gibt es in den Hauptrestaurants keine festen Essenszeiten, man kann einfach kommen und nach einem Tisch fragen. Und sollte man mal eine der Hauptmahlzeiten verpasst haben, bietet das „Tag und Nacht-Bistro“ rund um die Uhr warmes und kaltes Essen.
Es gibt weiterhin eine Dönerbude auf dem Pooldeck, eine große Pizzeria, die Backstube, eine Filiale von Gosch und diverse Bars wie die „Außenalster“, wo es nachmittags zusätzlich zu einem tollen Ausblick (sie ist ganz oben am Heck) leckere Tapas gibt. Wie gesagt, man kann weder verhungern noch verdursten. Alles was ich gegessen habe, war extrem lecker, und die Getränke sind ebenfalls Markenware und kein billiger Fusel.

Neben den All-inclusive-Restaurants gibt es ein paar Bezahlangebote wie ein Steakhaus und ein Sushi-Restaurant. Um die Leute dafür „anzufixen“, gab es gleich am ersten Seetag eine kostenlose Gourmet-Tour mit Verkostung, auch sehr lecker.

Die Kabinen sind etwas verspielt gestaltet, bieten aber mit Schränken und vielen Schubladen mehr Stauraum, als ich je auf einer anderen Kreuzfahrt hatte. Auf den Kabinen stehen Nespresso-Maschinen. Für jeden Passagier gibt es eine Kapsel am Tag gratis. Obwohl ich ja generell denke, dass gerade die Nespresso-Kapseln extrem viel Müll produzieren und Rohstoffe verbrauchen – so ein erster Kaffee noch im Bett oder auf dem Balkon hat was. Wer mehr Kaffee will: Ich hatte mir von zuhause weitere Kapseln mitgebracht. Denn das war eine kleine Schwäche – der reguläre Kaffee hat meinen Geschmack nicht getroffen. Auch die Kaffee-Automaten auf dem Schiff würde ich nicht empfehlen. Glücklicherweise werden in den meisten Bars die Kaffee-Spezialitäten frisch zubereitet.

Die größte Schwächte war für mich das Entertainment im Theater. Das Theater hat zwar allen technischen Schnickschnack wie beispielsweise eine Drehbühne. Doch die Shows, die dort präsentiert wurden, waren furchtbar. Jede Freizeitparkrevue hat mehr Niveau. Es gab einzelne Künstler wie Akrobaten, die beeindruckend waren, doch mussten ihre Nummern in eine Musical-artige, extrem schwache Handlung mit Musik und Tanz gepresst werden. Zum Ende jeder Show saßen jedenfalls immer deutlich weniger Menschen im Theater als am Anfang.
Dagegen sind die Hologramm-Shows, die in einem zweiten kleineren Theater gezeigt werden, technisch brillant, inhaltlich Geschmackssache. Eine Heino-Show trifft meinen persönlichen Geschmack jedenfalls nicht, die Tanzeinlage der Flying Steps schon eher. Durch eine besondere Projektionstechnik hat man wirklich den Eindruck, das Geschehen findet live wenige Meter vor einem statt.

Anders als bei AIDA ist Mein Schiff kein Clubschiff, also kaum Animation und vergleichsweise wenig Party. Was nicht heißen muss, dass es weniger Spaß macht. Auch auf der Mein Schiff habe ich mich sehr gut amüsiert, nur waren die Abende weniger durch ein Animationsteam organisiert.

Die Himmel und Meer-Lounge: Relaxen, lesen, Kaffee oder Cockatils schlürfen…

Ein weiterer Entspannungsfaktor ist die riesige Sauna mit Meerblick. Daneben gibt es noch zwei weitere kleine Saunen und ein Dampfbad. An Deck gab es neben einem 25-Meter-Pool mehrere Whirlpools. Es war genial, aus dem Whirlpool morgens die Sonne über Manhattan aufgehen zu sehen.

Mein ganz persönlicher Lieblingsplatz ist die Himmel und Meer-Lounge, die sich am Bug vor dem Sportbereich befindet. Hier gibt es jede Menge Sofas und Liegesessel, wo man gemütlich lesen und entspannen kann.

Schiffstester Matthias Morr hat ein paar Videos zur Mein Schiff 6 gemacht. Hier ein ca. 22-minütiger Rundgang.

Die Route

Abfahrt der Reise war in New York, aber eigentlich in New Jersey. Der Hafen liegt in der Stadt Bayonne, vom Schiff aus blickt man auf Manhattan. Das macht den Transfer vom JFK-Flughafen etwas länger (ca. 1,5 Stunden), vom Flughafen Newark sind es nur 15-20 Minuten.

Auch Transfers in die Innenstadt dauern entsprechend ca. eine Stunde. Das geht relativ einfach mit Bus und Bahn, falls man keinen Ausflug gebucht hat. Vom Schiff aus gibt es einen Shuttle-Bus für 5 US-Dollar (hin und zurück), der zur Station 34th Street der HBLR fährt. Von dort aus kann man für 2,25 US-Dollar mit der Bahn entweder bis Exchange Place fahren. Von dort fährt PATH in wenigen Minuten unter dem Hudson hindurch in das World Trade Center. Oder man fährt mit der HBLR noch weiter bis Hoboken und dann ebenfalls mit PATH weiter bis zur Station 33rd Street, die mitten in Manhattan unweit vieler Touristenattraktionen liegt. Die PATH-Tickets kosten 2,75 US-Dollar pro Strecke.
Hin und zurück hat man dann insgesamt 15 US-Dollar bezahlt und kann frei wählen, wann man fährt. Zum Vergleich: ein Transfer über Mein Schiff, der einen zu einer bestimmten Uhrzeit in Manhattan absetzt und wieder abholt, kostet 49 Euro.

Andere Reedereien nutzen übrigens andere Häfen, teilweise direkt in Manhattan.

In New York habe ich bei meinem letzten Besuch schon sehr viel gesehen. Daher habe ich mich auf Gegenden konzentriert, die ich damals nicht so intensiv oder gar nicht angeschaut hatte. Wie zum Beispiel das 9/11 Memorial, die Gedenkstätte für die Anschläge des 11. Septembers. Bei meinem letzten Besuch war das nämlich alles noch in Bau. Ein ausführlicher Bericht dazu folgt noch.

Außerdem war ich in Williamsburg, quasi dem Inbegriff von Gentrifizierung und Hipstertum. Vor ein paar Jahren noch ziemlich heruntergekommen, gibt es mittlerweile einen Apple Store. Das muss als Beweis für den Aufstieg des Viertels genügen. Es ist dennoch sehr schön dort. Hier leben außerdem die Chassidim, eine sehr strenggläubige Ausprägung des Judentums, die untereinander Jiddisch sprechen und teilweise gar kein Englisch können. Dazu gibt es ein sehr spannendes Buch, das ich auch unabhängig von einem Besuch in Williamsburg empfehlen kann: Unorthodox von Deborah Feldman.

Boston: Die Wiege der Freiheit

Nächster Halt auf der Kreuzfahrt-Route war dann Boston, eine der ältesten Städte der USA. Hier haben die irgendeine tolle Party mit Tee gefeiert ;-) Deshalb kann man das „historische“ Boston am besten erkunden, indem man den Freedom Trail entlang spaziert. Überall gibt es Hinweistafeln, was da jeweils wann geschah, dennoch ist hier eine geführte Tour interessant. Was man in Boston essen muss: Lobster Roll. Ein mit Hummerstücken gefüllter Brioche.

Einen sehr guten Blick über die Stadt bekommt man vom Prudential Tower, der sich am Rand des Stadtzentrums befindet. Rund um Boston herum sind bekannte Universitäten wie Harvard oder das MIT.
In Boston gibt es übrigens auch die aus der gleichnamigen TV-Serie bekannte Kneipe „Cheers“

Indian Summer im Acadia Nationalpark

Der nächste Hafen war Bar Harbor im US-Bundesstaat Maine. Dieses kleine Städtchen befindet sich auf einer Insel, Mount Desert Island. Große Teile der Insel sind der Acadia Nationalpark. Auf der ganzen Insel leuchtete der Indian Summer in allen Farben. Besonders schön war dabei ein Rundflug über die Insel. In Bar Harbor selbst kann man guten Hummer und leckeres Eis essen, ansonsten ist es sehr touristisch.

Das nördlichste Ziel: Sydney

Nein, nicht Australien, auch Kanada hat ein Sydney. Das befindet sich im Osten der Provinz Nova Scotia und hat genau null Sehenswürdigkeiten. Man hätte von dort aus ins Hinterland fahren können, aber mir hat ein kurzer Spaziergang gereicht.

Noch einmal Kanada: Halifax

Gegen Sydney ist Halifax, der letzte Hafen der Route, eine sehr sehenswerte Stadt. An einem der größten Naturhäfen der Welt gelegen, ist Halifax von Parks und historischen Bauten durchzogen. Oben auf dem Hügel thront die Zitadelle, die heute ein Museum ist. Jeden Mittag um 12 Uhr gibt es hier zunächst einen Salutschuss mit einer Kanone, anschließend eine Wachablösung. Erinnert ein bisschen an den Buckingham Palace…

Anschließend ging die Reise zurück nach New York, von wo aus es einen Tag später wieder nach Hause ging.

Mein Fazit

New York ist eine faszinierende Stadt, aber das ist vermutlich nichts Neues. Der Indian Summer ist wunderschön, natürlich muss man Glück mit dem Wetter haben. Bei teilweise T-Shirt-Wetter über 20 Grad und strahlend blauen Himmel ließ es sich ganz gut aushalten. Mein Schiff ist ein super Konzept und es wird nicht meine letzte Reise damit gewesen sein (die nächste ist schon gebucht).

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