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In der Unterwelt von Nürnberg

Einen guten Freund von mir hat es beruflich nach Nürnberg verschlagen. Ich war das letzte Mal in der Grundausbildung beim Bund da. Das ist fast 15 Jahre her und ich habe kaum Erinnerung an die Stadt, außer an die vielen mittelalterlichen Mauern. Bei einer kurzen Stippvisite zum Geburtstag hatte ich vor der Heimfahrt am Nachmittag noch ein paar Stunden Zeit und so haben wir uns für eine Führung durch die historischen Felsengänge entschieden.

Nürnberg-Felsenkeller

Die Jahrhunderte haben ihre Spuren hinterlassen: Von groben Fels bis zu Beton – beinahe jede Bausubstanz ist in den Kellern zu finden.

Diese Gänge, die eigentlich eher zum Teil riesigen unterirdischen Hallen entsprechen, sind teilweise mehrere hundert Jahre alt, die ältesten stammen aus dem 14. Jahrhundert. Über die Jahrhunderte hatten sie vor allem den Zweck, dort Bier zu lagern. Außerdem waren sie für die Wasserversorgung der mittelalterlichen Stadt wichtig. Im zweiten Weltkrieg konnten die Bewohner von Nürnberg während der alliierten Bombenangriff in den Kellern Schutz suchen und durch die Verbindungsgänge flüchten.

Nürnberg-Felsenkeller-KarteInsgesamt 25.000 Quadratmeter Kellerfläche sind heute noch erhalten und können im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Der Führer macht gleich zu Beginn klar: Wer sich von der Gruppe entfernt, macht das auf eigenes Risiko. Später erzählte er, dass er schon mal jemandem im Keller aufsammeln musste, der sich bei der vorherigen Führung abgesetzt und dann den Weg nach draußen nicht mehr gefunden hatte. Da die Führungen stündlich stattfinden, war das in dem Fall nicht so tragisch, bei der letzten Führung am Tag hätte man dann wohl einen Suchtrupp losschicken müssen.

Der Besuch in den Kellern ist nichts für Menschen mit Klaustrophobie. Die Verbindungsgänge zwischen den Kellern sind teilweise recht eng und niedrig, die vielen Treppen dafür recht steil und ungleichmäßig. Die Keller liegen in unterschiedlichen Höhen im Sandsteinfeld, teilweise auch in mehreren Ebenen übereinander.

Die Führungen durch den Keller dauern ca. 75 Minuten und kosten 6 Euro. Wir konnten ohne Reservierung an einem Sonntagnachmittag gleich an der nächsten Führung teilnehmen. Anschließend haben wir uns im Brauhaus gestärkt, das war ok, aber es gibt bessere. Die Führung war aber spitze und hat sich gelohnt. Ideal auch für Regentage.

Treffpunkt für die Führungen ist der Brauereiladen der Hausbrauerei Altstadthof in der Bergstraße 19, wo es auch die Tickets gibt. Mehr Infos zu den Führungen unter www.historische-felsengaenge.de

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